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Der Wichtel im Lebkuchenhaus

3–7 Jahre7 Min.Gemütlich

Ein kleiner Weihnachtswichtel mit langer roter Mütze und weißem Bart steht neben einem Fingerhut voll Milchreis vor der Tür eines Lebkuchenhauses im Küchenfenster, an einem verschneiten Abend

Am ersten Advent bauten Majken und Papa ein Lebkuchenhaus. Es bekam vier Wände, ein Dach mit Puderzuckerschnee und eine Tür, die Papa ein bisschen schief ausschnitt. Majken setzte ein rotes Geleestück als Türknauf daran und eine Mandel auf den Schornstein. Dann stellten sie das Haus ins Küchenfenster, zwischen den Adventsleuchter und den alten Weihnachtswichtel mit dem Wattebart.

Am nächsten Morgen stimmte etwas nicht.

Die schiefe Tür stand einen Spalt offen, obwohl sie vorher geschlossen gewesen war.

„Du hast bestimmt daran herumgefummelt“, sagte Papa.

„Hab ich überhaupt nicht“, sagte Majken.

Sie holte ihren Zeichenblock und zeichnete die Tür und das Haus ab, genau wie eine richtige Detektivin.

Am nächsten Morgen saß das Geleestück auf dem Schornstein und die Mandel an der Tür. Und am Morgen darauf führte eine schmale Spur geradewegs den Puderzuckerschnee auf dem Dach hinunter, als wäre jemand Schlitten gefahren.

Am Luciatag, einem Dezembertag, an dem Kinder in weißen Gewändern singen, kam Majken im Nachthemd und mit Glitzer im Haar nach unten. Da sah sie sie.

Winzig kleine Fußspuren im Schnee auf dem Dach. Keine Pfoten, sondern Stiefel mit Absätzen, nicht größer als Reiskörner.

„In unserem Lebkuchenhaus wohnt jemand“, flüsterte sie.

Papa erzählte sie nichts davon, noch nicht. Eine richtige Detektivin sagt erst etwas, wenn sie sicher ist. Stattdessen dachte sie an das, was Oma immer sagte: Zu Weihnachten soll man dem Wichtel, der auf das Haus aufpasst, eine Schale Brei hinstellen. Sonst wird er mürrisch und treibt Schabernack.

Die Tür, das Geleestück, die Schlittenfahrt. Das war alles Schabernack. Wer im Lebkuchenhaus wohnte, war bestimmt ein Wichtel, nur ein klitzekleiner. Und so ein kleiner Wichtel braucht keine große Schale, dachte Majken.

Also nahm sie am Abend vor Heiligabend einen Fingerhut aus Omas Nähkästchen. Sie füllte ihn mit Milchreis, der vom Abendessen übrig war, legte eine Rosine darauf und stellte ihn direkt vor die schiefe Tür.

„Bitte schön“, flüsterte sie. „Und frohe Weihnachten.“

In dieser Nacht konnte Majken nicht schlafen. Das Haus knackte und knarrte, und draußen fiel der Schnee so leise, dass man ihn fast hören konnte. Schließlich nahm sie ihre Taschenlampe und schlich die Treppe hinunter, vorbei am Weihnachtsbaum, der nach Wald duftete, und hinein in die dunkle Küche.

Sie machte kein Licht an. Sie setzte sich einfach auf den Boden und wartete.

Zuerst geschah nichts. Dann hörte sie ein leises Schaben. Die schiefe Tür ging auf, und heraus kam ein Weihnachtswichtel. Er war nicht größer als Majkens kleiner Finger. Sein weißer Bart reichte ihm bis zum Gürtel, und seine rote Mütze war so lang, dass der Zipfel fast durch den Schnee schleifte. In den Armen trug er etwas Grünes.

Der Wichtel legte es neben dem Haus in den Schnee. Es war eine Nadel vom Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Er stellte sie auf und befestigte sie mit einem Klecks Puderzucker. Ganz oben setzte er ein glitzerndes Hagelzuckerkorn darauf.

Der Wichtel hatte sich einen eigenen Weihnachtsbaum gemacht.

Majken hielt den Atem an. Der Wichtel drehte sich um und sah sie direkt an. Er huschte nicht ins Haus. Er schaute sie nur an, und sein Bart zitterte ein wenig, als würde er darunter lächeln.

„Frohe Weihnachten“, flüsterte Majken.

Der Wichtel setzte sich an den Fingerhut und aß seinen Milchreis. Er aß alles auf, ganz zum Schluss die Rosine. Dann hob er zum Gruß seine Mütze, ging durch die Tür und zog sie hinter sich zu.

Am Morgen von Heiligabend war der Fingerhut leer und blank, als hätte ihn jemand ganz sauber ausgekratzt. Daneben stand der kleine Baum aus einer einzigen Tannennadel. Majken wusste, dass er für sie war.

Die ganze Weihnachtszeit über durfte das Lebkuchenhaus im Fenster stehen bleiben, und niemand durfte davon naschen. Doch am Knutstag im Januar, wenn man in Schweden um den Baum tanzt und sich von Weihnachten verabschiedet, wollte Papa es wegwerfen. Majken sagte Nein.

„Da wohnt jemand“, sagte sie. „Und es ist Winter.“

Papa sah sie an. Dann sah er den kleinen Baum aus einer einzigen Tannennadel an.

„Der Schuppen“, sagte er. „Da ist es trocken. Und Wichtel haben schon immer gern in Schuppen gewohnt.“

So zog das Lebkuchenhaus in den Schuppen, auf ein Regal, wo es trocken und ruhig war. Majken füllte den Fingerhut jeden Samstag aufs Neue. In ihren Zeichenblock malte sie nun auch den Wichtel, mit roter Mütze.

Und wenn du an einem Januarabend am Schuppen vorbeischleichst und ganz genau hinschaust, siehst du vielleicht einen kleinen Lichtschein in einem Lebkuchenfenster.

Über die Geschichte sprechen

  • Welchen Schabernack hat der Wichtel wohl in den anderen Nächten getrieben, während Majken schlief?
  • Warum hat der Wichtel Majken wohl einen Baum aus einer einzigen Tannennadel geschenkt?
  • Wenn bei euch ein Wichtel einzöge, wo würde er wohnen, und was würdest du ihm hinstellen?

Erzählt die Geschichte weiter

Was treibt der Wichtel im Schuppen, wenn der Frühling kommt? Erfindet die Geschichte gemeinsam weiter oder zeichnet Schritt für Schritt einen Weihnachtswichtel und lasst ihn wie bei Majken in euren Zeichenblock einziehen.

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