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Der Drache, der aus der Zeichnung stieg

4–8 Jahre6 Min.Spannend

Ein kleiner grüner Wachsmalkreide-Drache mit drei roten Hörnern und einem rosa Herz sitzt im Schein des Nachtlichts auf dem Kinderzimmerboden.

Emil hatte einen Drachen gemalt. Er war grün und rund wie eine Kartoffel und hatte drei rote Hörner, einen orangenen Flügel, ein grosses Auge und ein rosa Herz mitten auf dem Bauch. Emil nannte ihn Knut und hängte die Zeichnung neben seinem Bett an die Wand.

„Gute Nacht, Knut“, sagte Emil und machte das Licht aus.

Mitten in der Nacht wachte Emil von einem Geräusch auf. Kratz, kratz. Kratz, kratz.

Emil schaltete das Nachtlicht an. Die Zeichnung war leer. Wo der Drache hätte sitzen müssen, waren nur weisses Papier und ein grüner Schmierer in einer Ecke. Und auf dem Boden sass Knut, so gross wie eine Katze und so grün wie die Wachsmalkreide, und blinzelte mit seinem einen Auge.

„Hallo“, sagte Knut. Seine Stimme klang, als würde jemand schnell mit einem Wachsmalstift über Papier fahren. „Ich habe Hunger.“

„Was fressen Drachen denn?“, flüsterte Emil.

„Farben“, sagte Knut, als wäre das doch klar.

Emil holte die Dose mit den Wachsmalstiften hervor. Knut schnupperte daran und suchte sich einen blauen aus. Er knabberte ihn auf wie eine Möhre, und sofort wurde sein Flügel blau wie der Himmel. Er versuchte zu flattern. Ein kleines Stückchen hob er vom Boden ab, dann landete er auf dem Po.

„Noch einen Flügel“, sagte Knut. „Dann kann ich richtig fliegen.“

Emil hätte ihm gern noch einen Flügel gemalt. Aber in der Dose hatte es nur einen blauen Stift gegeben, und der steckte jetzt in Knuts Bauch. Der grosse Malkasten lag in der Küche.

Der Flur war dunkel. Der Boden knarrte. Knut duckte sich hinter Emils Beinen.

„Hast du Angst?“, fragte Emil.

„Drachen haben nie Angst“, sagte Knut mit zitternder Stimme. „Aber geh du lieber zuerst.“

Sie schlichen durch den Flur, vorbei an Papas Jacke, die im Dunkeln wie ein Troll aussah, bis in die Küche. Dort stand der Malkasten auf dem Tisch. Emil kletterte auf einen Stuhl und streckte die Hand danach aus.

Da summte es. Dicht über dem Boden ging ein kleines grünes Licht an, und etwas Rundes, Flaches rollte geradewegs auf sie zu.

„MONSTER!“, schrie Knut und sprang Emil in die Arme.

Es war der Saugroboter. Er fuhr immer nachts herum, wenn alle schliefen. Er summte und drehte sich und saugte alles auf, was auf dem Boden lag. Und ein Drache aus Wachsmalkreide war ja fast so etwas wie Krümel.

„Der kriegt dich nicht“, sagte Emil und hielt Knut ganz fest. „Versprochen.“

Emil streckte einen Fuss aus und schubste den Saugroboter in die andere Richtung. Der summte überrascht, überlegte kurz und fuhr unter den Küchentisch.

Knut schaute auf. Das Herz auf seinem Bauch leuchtete ein wenig rosa.

„Du warst mutig“, sagte er.

„Du auch“, sagte Emil. „Du bist doch mitgekommen.“

Draussen vor dem Küchenfenster wurde der Himmel langsam heller. Plötzlich sah Knut besorgt aus.

„Ich muss nach Hause, bevor die Sonne aufgeht“, sagte er. „Eine Zeichnung muss morgens auf ihrem Papier sein. Sonst kommt sie nie wieder zurück.“

Sie rannten durch den Flur, vorbei an der Trolljacke, ins Zimmer. Unterwegs schnappte sich Knut noch einen blauen Stift aus dem Malkasten. Er nahm Anlauf und sprang direkt in das weisse Papier. Es raschelte, und dann sass er wieder da, flach und still, genau dort, wo Emil ihn gemalt hatte.

Emil kuschelte sich unter die Decke und schlief ein, noch bevor sein Kopf das Kissen berührte.

Aber ganz genau wie vorher war es nicht.

Als Papa hereinkam, um Emil zu wecken, sah der Drache auf der Zeichnung aus wie vorher, mit drei roten Hörnern und einem rosa Herz. Aber sein Flügel war blau. Und in einer Pfote hielt er einen kleinen blauen Wachsmalstift.

„Hast du ihn verändert?“, fragte Papa.

„Nein“, sagte Emil und lächelte. „Er hat gefressen.“

An diesem Morgen malte Emil die Zeichnung fertig: noch einen Flügel und neben den Drachen ein kleines Bett, damit Knut bis zur nächsten Nacht einen Schlafplatz hatte.

Über die Geschichte sprechen

  • Was würde passieren, wenn deine Zeichnung eines Nachts aus dem Papier steigen würde?
  • Warum hat Knut gesagt, dass Drachen nie Angst haben, obwohl er gezittert hat?
  • Welche Farbe würde dein Drache fressen, und was könnte er danach vielleicht tun?

Erzählt die Geschichte weiter

Malt euren eigenen Drachen Schritt für Schritt und denkt euch aus, was in der nächsten Nacht passiert, wenn er aus dem Papier steigt.

Die nächste Geschichte könnte von deinem Kind handeln

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    Ein Foto oder eine Zeichnung

    Dein Kind wird zur Hauptfigur – oder die Figur, die es gezeichnet hat. Geschwister, Oma und die Katze können auch mitmachen.

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    Wähle, worum es geht

    Wähle ein Thema, eine Botschaft und Dinge, die dein Kind mag. Was ihr euch gemeinsam ausgedacht habt, kannst du als Details hinzufügen.

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